Zukunftsplan für Frankenheim gestartet – Einwohner diskutieren über die Stärken und Schwächen ihrer Gemeinde

9. Oktober 2017
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„Wo soll es in Zukunft hingehen?“ lautet zurzeit die spannende Frage in Frankenheim, wo bis Mai 2018 gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern ein Gemeindeentwicklungskonzept erarbeitet wird.

Damit will sich die Gemeinde um die Aufnahme in das Thüringer Dorfentwicklungsprogramm bewerben, aber auch für andere Fördertöpfe gewappnet sein: „Wir brauchen einen realistischen Zukunftsplan für Frankenheim, mit dem wir neue Ideen für das Leben in unserem Dorf entwickeln können“, erläuterte Bürgermeister Alexander Schmitt bei der Auftaktveranstaltung am 6. Oktober.

Mehr als 50 Bürgerinnen und Bürger waren in die Hochrhönhalle gekommen, um bei der Zukunftsentwicklung mitzumachen und in einem ersten Schritt über die Stärken und Schwächen des höchstgelegenen Dorfes in der Rhön zu diskutieren. Falls die Bewerbung erfolgreich ist, winkt fünf Jahre lang eine Förderung für kommunale Projekte von bis zu 65 Prozent. Gefördert werden können z.B. Maßnahmen zum Erhalt des dörflichen Charakters, zur Verbesserung der Lebensqualität von Alt und Jung oder die Schaffung von Gemeinschaftseinrichtungen, machte die Moderatorin Ulrike Lilienbecker vom gleichnamigen Fachbüro deutlich.

Zum Hintergrund erläuterte sie, dass es früher „Dorf-Erneuerung“ hieß und mehr baulich-gestalterisch ausgerichtet war, nun aber ganzheitlich angegangen wird und darum „Dorf-Entwicklung“ heißt. Ziel sei es, angesichts des demographischen Wandels das gesamte Dorf zukunftsfähig zu machen und sich dabei mit seinen Nachbarorten gut abzustimmen. Ein weiterer Vorteil der Dorfentwicklung ist, dass ebenso Vorhaben von Privatpersonen und Unternehmen wie Sanierungen oder Umnutzungen finanziell unterstützt werden können.

Als große Stärke von Frankenheim wurde der Zusammenhalt der Bevölkerung identifiziert und das damit verbundene Wir-Gefühl. Dieses wird quasi von Generation zu Generation weitergegeben und auch in der Gemeinde vorgelebt. „Hier ist Heimat“, waren sich die Diskussionsteilnehmer einig und sie sind „stolz, Frankenheimer zu sein“. Außerdem sind die Einwohner herzlich, wurde erklärt, und Fremde finden schnell Anschluss, was von den anwesenden Zugezogenen eindeutig bestätigt werden konnte.

Wichtig sei auch, dass es den Leuten hier gefällt (ablesbar an den zwei Wohnbaugebieten), die „Jugend da bleibe“ und die Vereine „Leben ins Dorf“ bringen. Allein der Sportverein hat 235 Mitglieder und die Feuerwehr ist ein wichtiger Aktivposten – auch für die Nachbargemeinden. Im Feuerwehrgebäude muss der Schulungsraum aber noch fertig gestellt werden, wurde angemerkt. Da tagsüber das Problem besteht, dass nicht genügend Einsatzkräfte vor Ort und somit einsatzbereit sind, will man weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft und im Landkreis ausloten.

Zu den Stärken kann auch die Hochrhönhalle gezählt werden, die in Frankenheim als Symbol dafür steht, was ein Dorf leisten kann, führte Bürgermeister Schmitt aus. Die Halle ist noch nicht ganz fertig und soll in Zukunft noch mehr Nutzung durch Vermietung und Veranstaltungen erfahren, lautete die Einschätzung.
Weitere Pluspunkte von Frankenheim sind die Grundschule, die auch Schüler aus Birx, Ober- und Unterweid besuchen, sowie der Kindergarten, der vom DRK-Kreisverband Meiningen betrieben wird. Nach Meinung der Runde muss dort jedoch mehr Personal eingesetzt werden, was auch gesetzlich gefordert sei. Ausbaubedarf bestehe hier auch noch im Innen- und Außenbereich des Kindergartengebäudes.

Ausführlicher wurde über die Situation der Jugendlichen im Ort gesprochen und vorgeschlagen, den Jugendraum in der Alten Feuerwehr wieder zu aktivieren. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass ein oder mehrere ältere Jugendliche bzw. junge Erwachsene (20 oder 21 Jahre alt) gefunden werden, die bereit sind, falls nötig einzugreifen, um Vandalismus vorzubeugen und auf die Einhaltung von Regeln wie Alkohol- und Rauchverbot zu achten. Etwa für 20 bis 25 Jugendliche bestehe Bedarf für solch ein Angebot vor allem am Wochenende. Ideal wäre die Gründung eines Jugendbeirates, wie in Mittelsdorf, wurde erklärt. Konkret soll die Idee am Freitag, dem 17. November 2017 um 18:00 Uhr direkt im Jugendraum diskutiert werden. Alle jungen Leute und natürlich auch alle anderen interessierten Bürgerinnen und Bürger sind schon jetzt herzlich eingeladen.

Drängend ist in Frankenheim das Problem des fehlenden Arztes. Denn seit die bisherige Allgemeinärztin im Frühjahr 2016 in Ruhestand gegangen ist, ist die Hausarztpraxis in Frankenheim geschlossen und die Patienten haben sich auf die umliegenden Praxen verteilen müssen. Um wieder eine Arztpraxis eröffnen zu können, hat die Gemeinde vor kurzem eine Machbarkeitsstudie für ein Gesundheitszentrum in Auftrag gegeben, Ergebnisse sollen bereits am 15. November vorliegen.

Weil dabei Angebote für betreutes Wohnen mit untersucht werden, wurde dieser Punkt ebenfalls aufgegriffen und als sehr wichtig für die Zukunft eingeschätzt. Ältere Menschen könnten dadurch „auf der Rhön bleiben“ und müssten nicht in die Stadt wegziehen. Für etwa 10 Wohneinheiten wird Bedarf gesehen und Vorbild könnte zum Beispiel das Schwarze Schloß in Helmershausen sein, wo eine Möglichkeit für „Service Wohnen“ entstanden ist.

Die Nahversorgung ist in Frankenheim noch gegeben. Zudem funktioniert die Nachbarschaftshilfe und als Vorteil wird gesehen, dass es eine Verkaufsstelle für die Waren des täglichen Bedarfs gibt, die sogar auf privater Initiative eingerichtet wurde.

Post oder Sparkasse gibt es aber keine mehr, kleinere Geldbeträge kann man jedoch auch in der Verkaufsstelle bekommen, wurde als Tipp verraten, Brief- oder Paketmarken gibt es wohl im Getränkeshop. Unbedingt erhalten möchte man die Gaststätte in Frankenheim, zusätzlich gibt es noch eine Pizzeria. Im gewerblichen Bereich sind drei größere Betriebe ansässig und es gibt auch noch einige Geschäfte und Dienstleister. Als Beispiele wurden ein Baumarkt, ein Frisör, eine Fußpflege und zwei Blumenläden aufgezählt – und es gibt noch ein paar mehr.

Weitere Vorteile von Frankenheim sind die Breitbandversorgung und „die Lage mittendrin“ – in nur einer halben Stunde kann man verschiedene Autobahnen erreichen, wurde hervorgehoben. Ohne eigenen PKW funktioniert das aber meist nicht, wurde eingeschränkt und kritisiert, dass Busverbindungen nach Hessen oder Bayern fehlen, etwa um zur Arbeit bzw. zum Ausbildungsplatz nach Fulda oder Bad Neustadt zu kommen oder zum Einkaufen in die Nachbargemeinde Hilders. Da in anderen Regionen bereits Ruf- oder Bürgerbusse eingesetzt werden, um das ÖPNV-Angebot zu verbessern und zu ergänzen, wurde als Idee die Durchführung einer Befragung aufgenommen, mit der der Bedarf in Frankenheim nach solchen zusätzlichen Angeboten ermittelt werden kann.

Recht zufrieden äußerten sich die Bürger über den Zustand der Straßen, was auch daran liegen mag, dass zwei davon Landesstraßen sind und die in Richtung Birx derzeit saniert wird. Als Straßen in schlechten Zustand wurden jedoch die „Karolinenstraße“, „Am Friedhof“, „Untere Ecke“ und „Am Berg“ benannt.

Eine weitere große Stärke ist die Natur – Frankenheim ist für Wanderer und Wintersportler attraktiv. Gelobt wurde der „Entdeckerpfad Hohe Rhön“, der auch durch Frankenheim führt und anregt, zu wandern und dabei die Natur zu entdecken.

Entwicklungspotential wird bei der Teichanlage gesehen, die historisch zum Baden und Ruderbootfahren genutzt wurde. Durch eine ansprechende Gestaltung evtl. mit Rundweg und Sitzgelegenheiten könnte hier ein attraktiver Freizeitbereich für Jung und Alt entstehen, wurde erläutert. Als abschließende Idee wurde noch ein Bolzplatz für die Jugendlichen aufgenommen.

Als nächster Schritt steht dann der Ortsrundgang für alle Bürgerinnen und Bürger am 21. Oktober an. Treffpunkt ist um 14:00 Uhr am Dorfplatz. Gemeinsam will man den Ortskern und auch Leerstände, wie zum Beispiel das Café in der Leubacher Straße unter die Lupe nehmen. Bürgermeister Schmitt wird dann auch die Mitglieder des Beirats bekannt geben, der die Dorfentwicklung begleiten soll. Neben Gemeinderäten gehören diesem Gremium auch Vertreter der Bevölkerung an.

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